Der rote Faden

"Es gibt ebenso wenig DIE Lehr-Methode wie DEN Schüler!" schreibt der legendäre Moskauer Klavierprofessor Heinrich Neuhaus.

Jeder Schüler ist anders und benötigt eine entsprechende Förderung. Anstelle einer statischen Methode müssen möglichst viele wirkungsvolle Lösungsansätze zur Auswahl stehen.

Es gibt aber durchaus Aspekte, die in jeder Stunde Raum finden müssen, damit sie dem Schüler in Fleisch und Blut übergehen: Der Umgang mit schweren Stellen und wie der Schüler diese zuhause üben kann. Eine Stelle muss solange in einer Übes-Einheit bearbeitet werden, bis sich zumindest ein Teilerfolg zeigt. Andernfalls müsste man am nächsten Tag die Stelle wieder ganz von neuem beginnen.

Ein längerfristiger Lernstoff wie z.B. die Stabilität der Finger, unterschiedliche Lautstärken in beiden Händen oder z.B. die Sprungtechnik *) muss ausdauernd in jeder Stunde beachtet werden. So etwas kann mitunter einige Monate, ein Jahr oder noch länger andauern. Dabei muss man unbedingt "den Ball flach halten". Es wäre kontraproduktiv, ein Jahr lang in jeder Stunde 25 Minuten auf einem Problem "herumreiten". Das hält selbst der geduldigste Schüler nicht aus. Hier hilft etwas Fingespitzengefühl, eine innerlich entspannte Form der Beharrlichkeit und - natürlich - eine gesunde Portion Humor! ​

*) den Begriff "Sprünge" benutze eigentlich ich nicht so gern. Es handelt sich um ein reflexartiges Hingreifen in die gewünschte Handposition auf dem kürzesten Weg